Ballstädt macht das rechte Auge auf

Ballstädt muss  gerade hautnah erfahren, wie rechtsextremistische Gruppen versuchen, sich in der Gemeinde zu etablieren. Mehrere Personen mit offen rechtsextremem Hintergrund siedeln in diesen Tagen in das kleine Dorf über. Die Bürger Ballstädts zeigen sich aufgewühlt, besorgt, verärgert. Sie sind entschlossen, das rechte Auge nicht zuzudrücken, sondern gemeinsam gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu stehen.

Aus diesem Grund haben sich am 04. Oktober über 60 Ballstädter im Kulturzentrum mit dem Bürgerbündnis getroffen. Allein schon die hohe Teilnehmerzahl zeigt, dass das Thema unter dem Nagel brennt. Neben der Besprechung der allgemeinen Lage wurden auch externe Stimmen gehört. Zu Gast war Martina Renner, Mitglied des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses. Sie gab Auskunft über die potentiellen Käufer Mario Kelch und Steffen Mäder beide gehören u.a. zu der vom Verfassungsschutz als  rechtsextrem eingestuften Band S.K.D., sowie Andre Keller, welcher sich per Facebook zur Kameradschaft Jonastal bekennt. Zum anderen wurden die Reportagen zur Entstehungsgeschichte des Films „Blut muss fließen“  vom ZDF und „Brauner Sumpf entlang der B88“ vom MDR gezeigt.

Anschließend gab es zwischen Bürgerinnen und Bürger eine rege Diskussion über ihre Unsicherheit, Wut und auch ihre Handlungsvorschläge. Außerdem stand allen Ballstädtern ein Kummerkasten zur Verfügung, der eine Plattform für Ängste und Befürchtungen bot:

Besteht eine Gefahr für die Kinder, die unmittelbar vor dem betroffenen Gehöft an der Bushaltestelle warten?

Was wird aus den Mietern, die schon lange das Objekt bewohnen?

Wie werden sie mit den neuen rechten Nachbarn umgehen? Werden sie bleiben oder wird die Angst sich zum Wegziehen bewegen?

Die Größte Frage jedoch, die im Raum stand, war: Was können, was dürfen wir  tun, damit der Rechtsextremismus sich in unserem Dorf nicht etabliert?

Bis in den späten Abend hinein dauerte die Veranstaltung an, zahlreiche Handlungsansätze wurden ausgearbeitet Die Menschen wollen nicht  abwarten, wie sich die Lage entwickelt. Sie werden sich bald wieder zusammensetzen und sich etwas überlegen, das weit über das Hissen von Transparenten hinausgeht.

(SL)

 

Oktober 8th, 2013|